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Eine Frau mit dunklen gelockten Haaren und braunem Oberteil trinkt ein Glas Wasser. Sie steht an einem Fenster, ihre Wohnung ist im Hintergrund zu sehen. Vor der Frau steht eine leere Glasfalsche.
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Im Selbsttest: eine Woche mit ganz viel trinken

Theoretisch wissen wir alle, dass wir viel trinken müssen – aber wie sieht es in der Praxis aus? Simon ist Redakteur und hat sich vorgenommen, eine Woche lang ganz bewusst extra viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

Als Kind hat mir eine Lehrerin mal gesagt, wir müssen viel trinken. Denn: Unser Gehirn ist wie ein Boot, dass ohne genügend Wasser nicht schwimmen beziehungsweise funktionieren kann. Ein schönes kindgerechtes Bild, durch dass ich früh begriffen habe, wie wichtig Flüssigkeit für unsere Konzentration ist – und für unsere Organe, wie ich später gelernt habe. Schließlich besteht unser Körper bis zu 70 Prozent aus Wasser. Zur Wahrheit gehört aber auch: Obwohl ich weiß, wie wichtig trinken ist, bin ich diesbezüglich im Alltag dann doch manchmal etwas nachlässig.

Meine Trinkgewohnheiten vor dem Selbsttest

Grundsätzlich glaube ich schon, dass ich ausreichend trinke – zwei Liter würde ich schätzen. Im Hochsommer achte ich natürlich besonders drauf, da ich Hitze generell nicht gut vertrage – im Winter habe ich ebenfalls ein Auge darauf, weil die Heizungs­luft einen ja bekanntlich austrocknet und die Feuchtigkeit aus der Lunge zieht. Aber in einer eher milderen Jahreszeit wie jetzt? Da gehe ich ehrlich gesagt in der Regel eher nachlässig mit meinem Trinkverhalten um. Und: Richtig viel Wasser trinke ich eigentlich nie. Das soll ja auch gut für die Haut sein, den Appetit zügeln und den Körper entgiften. Ich bin gespannt.

Los geht’s: der erste Tag mit ganz viel trinken

Ich starte hochmotiviert und trinke direkt nach dem Aufstehen ein großes Glas Wasser. Vor ein paar Jahren habe ich gelesen, dass der Körper täglich zwei bis drei Liter Flüssig­keit pro Tag verliert und davon alleine 0,5 bis 2 Liter davon in der Nacht durch Ausatmen oder Schwitzen. Ist das noch aktuell? Ich schaue nach, während ich das erste Glas leertrinke – die Info scheint zu stimmen. Ich trinke noch ein zweites Glas hinterher, um sicherzugehen, dass ich mit einem stabilen Wasserhaushalt in den Tag starte. Allerdings wird mir davon fast ein bisschen übel. Die erste Lektion lautet für mich also: Lass deinem Körper Zeit für die Flüssigkeitsaufnahme.

Ich stelle mir auf meinen Schreibtisch eine Karaffe und ein Glas und nehme mir vor, diese Karaffe heute zweimal leer zu trinken. Das ist kein Problem – allerdings merke ich auch, dass ich in den letzten Wochen vermutlich immer wieder mal weniger als zwei Liter am Tag getrunken habe. Die Visualisierung der Flüssigkeitszufuhr in Karaffenform ist wahrscheinlich ganz gut.

2. Tag

Heute trinke ich wieder erstmal ein Glas Wasser nach dem Aufstehen, aber entspannter. Und danach meinen ersten Kaffee. Ich merke, dass es schon deutlich angenehmer ist, wenn man ihn nicht auf leeren Magen trinkt – wie ich es sonst meistens tue. Wenig später erzähle ich einer Kollegin von meinem Selbsttest und stelle im Gespräch fest: Ich habe keine Ahnung, wie ich auf diesen ominösen Richtwert von „zwei Liter pro Tag“ komme.

Sie erzählt mir von der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): Für Erwachsene im Alter zwischen 19 bis 51 Jahren sind das 35 Milliliter Wasser pro Kilo Körpergewicht. Da ich ziemlich groß und schwer bin, wären das bei mir 3780 Milliliter, also fast vier Liter! Die nehme ich mir für diesen Tag also vor und trinke – zusätzlich zu mehreren Tassen Kaffee – vier Karaffen Wasser über den Tag verteilt. Das ist schon eine ganze Menge. Meine Blase findet das auch.

3. Tag

Ich lese mir das mit der Trinkempfehlung noch mal genauer durch. Für Wasser, ungesüßten Früchte-, Kräuter-, Roibuschtee empfiehlt die DGE eine Trinkmenge von etwa 1,5 Liter. Die Empfehlung 35 Milliliter pro Körpergewicht bezieht sich auf die gesamte Wasserzufuhr durch Getränke und Essen.

Da wir etwa die Hälfte unserer Wasserzufuhr über die Nahrung aufnehmen, sind es also doch eher knapp zwei Liter, die ich täglich trinken sollte – allerdings muss dann auch mein Essen einen gewissen Anteil an Flüssigkeit aufweisen. Weil ich aber ja nicht nur ausreichend, sondern mal richtig viel trinken will, nehme ich mir drei Karaffen Wasser vor. Den Tag über merke ich, dass sich mein Körper allmählich daran gewöhnt.

4. Tag

Heute habe ich frei. Ich bin bei meinen Eltern zu Besuch und stelle fest: Sie haben wirklich sehr kleine Gläser: 0,2 Liter. Gefühlt trinke ich ununterbrochen Wasser, aber wahrscheinlich komme ich heute trotzdem nicht auf meine angedachte Menge. Mir fehlt meine Karaffe ein wenig. Trotzdem: Ich fühle mich ganz gut und habe körperlich nicht den Eindruck, viel zu wenig getrunken zu haben. Allerdings gab es den Tag über auch unter anderem Gurkensalat, viel Obst und eine Suppe. Vielleicht habe ich heute einfach über meine Ernährung auch mehr Flüssigkeit aufgenommen als sonst.

5. Tag

An meinem letzten Arbeitstag für diese Woche bemerke ich drei Dinge. Erstens: Ich habe mich an das viele Trinken längst gewöhnt. Zweitens: Ich habe auch bei konzentriertem Arbeiten keine Kopfschmerzen. Es war jetzt auch keine stressige Woche, aber vielleicht hatte ja auch einfach das Boot in meinem Kopf genügend Wasser unterm Kiel. Drittens: Meine Haut ist tatsächlich besser geworden. Einerseits wahrscheinlich, weil ich durch das viele trinken irgendwie satter bin und weniger nasche – tatsächlich gar nicht bisher diese Woche –, andererseits, weil Wasser trinken die Haut entgiftet und die Poren verfeinert. Eigentlich naheliegend. Positiv überrascht bin ich dennoch.

6. Tag

Heute ist das Wetter hervorragend. Leicht bewölkt, aber warm. Ich beschließe joggen zu gehen. Mir ist klar, dass ich dann natürlich heute ein bisschen mehr trinken muss.

Meine Eltern haben früher immer gesagt: Nach dem Sport ein großes Glas Wasser. Reicht das? Zuviel Wasser soll man ja auch nicht trinken: Im schlimmsten Fall erleidet man eine Wasservergiftung. Wenn man viel mehr trinkt, als man wieder ausscheidet, verdünnt dies das Blut, die Salzkonzentration im Blut sinkt und Muskelschwäche, Desorientierung und Herzversagen können auftreten.

Auf einem Lauf-Blog finde ich dann die Info, dass auf jede Kalorie, die man zusätzlich durch Sport verbraucht, ein Millimeter zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme kommen sollten. Pro Kilometer und Kilogramm Körpergewicht verbrauchen wir ungefähr eine Kilokalorie. In meinem Fall wären das für 5 Kilometer 540 Milliliter – okay, das ist tatsächlich ungefähr ein großes Glas Wasser. Also gehe ich laufen, trinke danach ein großes Glas Wasser und alles ist gut.

7. Tag

Der letzte Tag meines Selbsttests. Ich fühle mich wirklich fit. Gestern habe ich mir nach der Erfahrung mit den kleinen Gläsern eine Trinkflasche gekauft, die 0,8 Liter fasst und die ich fortan mit mir führen will. Drei Flaschen davon sind 2,5 Liter. Ich trinke sie über den Tag verteilt leer und fühle mich gut damit.

“Ich stelle nach fünf Tagen fest: Ich habe mich an das viele Trinken längst gewöhnt. Ich habe auch bei konzentriertem Arbeiten keine Kopfschmerzen und: Meine Haut ist tatsächlich besser geworden.”

Simon Albers, Redakteur aus Berlin

Simon Albers

Simons Fazit

Es ist wirklich verblüffend, wie viel fitter ich mich nach einer Woche mit viel trinken fühle. Ich bin wacher und stelle auch fest, dass ich diese Woche noch nie Durst hatte – was ja auch eher ein Signal für mangelnde Flüssigkeit ist. Darüber kann ich diese Woche nicht klagen; auch schön. Ich möchte auch in Zukunft dabeibleiben, täglich meine 2,5 Liter zu trinken. Es fühlt sich jetzt gerade selbstverständlich an, aber ich weiß auch: Man muss darauf achten, damit die Routine nicht in der nächsten stressigen Phase wieder ins Wanken gerät.

Bildnachweis

Artikeleinstieg: Kiwis (istockphoto.com)
Portrait: Stefan Tempes (move:elevator)

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