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Eine Frau mit dunklen Haaren macht eine Pause beim Sport. Ihr Gesicht ist schweißüberströmt, ihr Blick geht zur Seite. Sie trägt ein pinkes, ärmelloses Top, um den linken Oberarm hat sie einen Fitnesstracker geschnallt.
Lesezeit ca. 6 Min.
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Get up: So bekommen Sie die Energie, Ihre Ziele zu erreichen

Wieso scheitern wir so oft daran, unsere Vorsätze umzusetzen? Eine Expertin erklärt, was Motivation und Energie miteinander zu tun haben und warum sich unsere Energie auch erschöpfen kann.

Das wird super!

Es ist soweit: Die Fitness-Klamotten liegen bereit, genauso wie die 50 besten Fitness- Tipps und die 20 angesagtesten Instagram-Rezepte für's Abnehmen. Ab jetzt werde ich sportlich und ernähre mich gesund. Die Pfunde werden purzeln. Das wird super! Solche Vorsätze kennen die meisten von uns. Die Aufregung, die Energie, die Motivation. Nur – warum gelingt es uns so selten dranzubleiben? Es gibt sie doch, diese Energie-Menschen, die Macher, denen scheinbar alles gelingt, was sie sich vornehmen. Was machen die anders? 

Der Schlüssel: Motivation

„Viele haben die Vorstellung, dass Motivation so ähnlich wie ein Energietank funktioniert, aus dem man schöpfen kann. Und die Frage wäre: Wie füllt man einen solchen Tank wieder auf? Das ist aber nicht die Vorstellung von Motivation, die wir in der Psychologie haben. Motivation braucht einen Sinn, ein Warum.“

Marlies Pinnow, Motivationsforscherin an der Ruhr-Universität Bochum

Zu sehen ist ein Porträtbild von Motivationsforscherin Dr. Marlies Pinnow.

Spannende Studie

Die Frage nach der Energie wurde in einer Studie beantwortet. In der Untersuchung sollten Probanden eine Hantelstange nach oben drücken, solange sie konnten. Die Dauer bildete dann die Baseline, also den Ausgangszustand. „Danach sollte die eine Gruppe aufschreiben, warum sie etwas für die Gesundheit tun will“, erklärt Dr. Marlies Pinnow. „Die andere Gruppe hielt das Wie schriftlich fest. Welche Gruppe hatte nach dem Schreiben mehr Energie, die Hantel noch mal zu stemmen? 

Von außen geleitet

Die Gruppe mit dem Warum: neun Sekunden länger als die andere. Das Warum beantwortet die Motivation. Wenn ich die Sinnhaftigkeit für mich entdecke, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr viel höher, dass ich ein Ziel erreiche, als wenn ich mir nur plump irgendwelche Ziele setze. Das geht zwar schnell, aber es hat eben nicht den Kontakt zu der Energie, die ich habe.“ Dass so viele Menschen an ihren Vorsätzen scheitern, liegt also daran, dass sie sich nicht mit der eigenen Intention befassen, sondern sich von äußeren Dogmen leiten lassen. Man soll sich ausgewogen ernähren, mehr Sport treiben, mit dem Rauchen aufhören. Das hören und lesen wir überall. Wir verstehen, dass all das wichtig für uns ist. Also wünschen wir uns genau das und fassen Vorsätze – und genau hier liegt das Problem.

Warum will ich etwas tun?

„Wir formulieren oft im Format eines Wunsches“, so Dr. Marlies Pinnow. „Mein Ziel muss aber immer gepaart werden mit dem Gedanken: Ich will da wirklich hin. Und dann muss ich mich fragen: Warum will ich etwas tun? Das ist die grundsätzliche Frage der Motivation. Wenn Ihnen das klar ist, dann finden Sie auch immer einen Weg, mit Herausforderungen umzugehen.“ Und Herausforderungen begegnen einem im Leben immer wieder. Sie zu meistern und den Weg weiterzugehen, ist die hohe Kunst. 

Seien Sie stolz!

Wir können es uns unterwegs aber ein wenig leichter machen. „Wenn ich ein Ziel anstrebe, frage ich mich nach dem Warum auch, wie ich es erreichen kann. Und: Woran merke ich überhaupt, dass ich es umsetze? Es ist enorm wichtig, immer wieder auf die eigenen Ergebnisse zurückzuschauen und stolz darauf zu sein. Schauen Sie sich an, was Sie schon geschafft haben! Die meisten sind nicht stolz auf sich, solange sie nicht am Ziel sind. Aber gerade auch die kleinen Schritte sollte man feiern. Freuen Sie sich daran, Hindernisse zu überwinden.“

Tipps von Dr. Marlies Pinnow: So kommen Sie leichter ans Ziel

  • Fragen Sie sich nach dem Warum und formulieren Sie eine Intention für sich.
  • Setzen Sie sich messbare Ziele: So können Sie überprüfen, ob Sie auf dem richtigen Weg sind.
  • Verfolgen Sie die Taktik der kleinen Schritte. Lang eingeübte Verhaltensweisen zu ändern dauert. Unser Gehirn braucht Zeit. Deswegen bin ich zum Beispiel eine große Verfechterin der Alltagsbewegung. Das ich mich abends für das Fitnessstudio aufraffen könnte, bezweifle ich. Aber jeden Tag die Treppe zu nehmen, das funktioniert immer. Wenn ich das mache, habe ich täglich schon etwas geschafft.
  • Bringen Sie mehrere Motivationen in Einklang. Wenn ich mit Freunden laufen gehe, befriedige ich gleichzeitig die soziale Bestrebung, Freunde zu treffen, und ich mache Sport. Gehe ich allein laufen, lässt die Laune nach – denn irgendwann ruft die Freundin an und fragt: Wie wäre es mit Kino? In diesen Fällen muss ich ständig konkurrierende Bestrebungen miteinander vereinbaren. Suchen Sie sich Gleichgesinnte.
  • Schauen Sie immer wieder zurück, erkennen Sie die eigenen Leistungen und loben Sie sich.

Bildnachweis

Artikeleinstieg: PeopleImages
Portrait: Marlies Pinnow (privat)

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