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Drei Kinder, zwei Mädchen und ein Junge, hocken auf einer grünen Wiese. Vor sich haben sie jeweils ein Körbchen mit Henkel, in dem sich bunt gefärbte Eier sowie Papposterhasen befinden. Die Kinder tragen Haarreifen mit Häschenohren, auf der Wiese liegen vereinzelt noch ein paar bunte Eier verstreut. Es ist ein sonniger Tag.
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Achtsamkeit für die Ferien: Kindermeditation und Osterrezepte

Endlich Ostern, endlich Zeit für die Familie. Was man jetzt alles machen kann – Kindermeditation zum Beispiel! Denn auch die Kleinen freuen sich über ein bisschen Entschleunigung. Und zur Stärkung danach: gesunde Ostersnacks, die Spaß machen!

Puh, die Feiertage sind da. Eine willkommene Auszeit, um sich vom Alltagsstress zu entspannen. Und das empfinden nicht nur wir Erwachsenen so. Auch schon Kinder seien heute teils enormem Stress ausgesetzt, sagt Yogalehrer Florian Sprater. „Besonders bei Kindern ab der dritten Klasse bemerke ich das. Wenn es darum geht, auf welche Schule sie kommen. Da fragen sich Kinder, wohin ihre Freunde gehen, ob das Gymnasium nicht das Beste sei und wie schlimm es wäre, wenn es bei ihnen nur für die Realschule reicht. Dieser Übergang auf die weiterführende Schule ist Stress.“

Voller Terminplan

Florian Sprater unterrichtet Achtsamkeit, Yoga und Meditation für Erwachsene und Kinder. Erwachsene suchen bei ihm eine Pause vom eng durchgetakteten Tagesablauf. Das sei auch bei Kindern nicht mehr wesentlich anders, sagt er: „Viele Kinder haben einen sehr vollen Terminplan: montags Schwimmen, dienstags Klavier, am Mittwoch Termine von der Schule aus und so weiter. Manche Kinder sagen mir nach einer Entspannungsübung, dass es so schön gewesen sei, denn zuhause hätten sie nie Zeit, sich mal zu entspannen. Und das ist erschreckend. Ich war als Kind eigentlich immer draußen und hatte keinen Stress, wie Kinder ihn heute empfinden.“

Nie zu jung für Achtsamkeit

Die Kinder, die Florian Sprater unterrichtet, sind im Grundschulalter, aber auch in der Krippe und im Kindergarten. Entspannungsrituale, Auszeiten und Übungen, mit denen wir in Stresssituationen runterkommen – der Yogalehrer ist überzeugt: Sich damit in Stresssituationen Kraft und Ruhe zu schenken, kann man gar nicht früh genug lernen. „Wenn ich früh und auf spielerische Weise lerne, mich und meinen Körper zu akzeptieren, wahrzunehmen und die positiven Dinge zu kultivieren anstelle der negativen, dann verhalte ich mich auch anderen Menschen gegenüber anders. Es gibt weniger Konflikte, weil ich in mir ruhe. Und je mehr ich mit mir im Reinen bin, desto liebevoller kann ich mit der Welt umgehen.“

Kinderleichte Atemübungen

Wenn wir an Yoga, Meditation und Achtsamkeit denken, kommen uns schnell relativ komplexe und exakte Abfolgen und Instruktionen in den Kopf. Können Kinder das überhaupt? „Ja, besonders gut sogar“, sagt Florian Sprater. „Klar, man muss es kindgerecht verpacken. Erwachsenen erkläre ich sehr viel und leite sie an, wie lange sie jetzt atmen, den Atem anhalten, nachspüren und wie sie ausatmen. Kindern sage ich dann eher: Wir machen jetzt die Häschenatmung oder wir atmen wie ein Drache. Und sie machen Atemübungen und merken es gar nicht.“ Genau das sei das Schöne: Man müsse es ihnen gar nicht groß erklären, sie machen es einfach. „Und es ist toll, wie unvoreingenommen Kinder an die Sache herangehen. Denen ist egal, wie man das nennt: Ich kann sagen, wir machen Yoga oder wir meditieren, aber ich kann auch sagen ‚Wir spielen jetzt etwas‘. Erwachsene sind da häufig befangener.“

Florian Sprater arbeitete nach seinem Studium der Wirtschaftsinformatik viele Jahre als internationaler Projektmanager – und schlug dann eine ganz neue Richtung ein. Nach einigen Jahren der Eigenpraxis ließ er sich zum Yogalehrer ausbilden und unterrichtet nun in München und online Kinder und Erwachsene.

Yogalehrer Florian Sprater sitzt mit zwei Mädchen auf dem Boden, im Hintergrund sind Yogamatten zu sehen. Florian Sprater legt dem einem Mädchen etwas in dessen ausgestreckte Hand, auch das zweite Mädchen streckt seine Hand aus.

Wie Kinder entspannen

Und auch die Form der Entspannung ist anders. Eltern wunderten sich manchmal, warum ihre Kinder nicht total ruhig und entspannt, sondern voller Energie aus der Stunde kommen. Das liege daran, dass Kinder ganz anders entspannen als Erwachsene: „Für die Entspannung braucht es bei Erwachsenen so 15 Minuten, bei Kindern reichen fünf bis acht. Sie kommen aus der Action schnell in die Entspannung – und entsprechend schnell wieder heraus; sie regenerieren sehr schnell“, so Sprater. „Wenn ich den Kindern sage, dass wir uns jetzt langsam mal wieder recken und strecken, dann sitzen die sofort aufrecht und sind sofort wieder ‚on‘. Das ist für Erwachsene manchmal schwierig zu begreifen.“

Entspannung: Langsam angehen

Um gemeinsam zu entspannen und sich etwas Zeit füreinander zu nehmen, eignen sich Feiertage besonders gut. Denn der Terminkalender muss nicht vollgepackt werden, sondern lässt Platz für Entspannung. „Aber wir müssen es langsam angehen“, so Sprater. „Denn viele Kinder sind es gar nicht gewohnt, einfach mal durchzuatmen. Manche können Stille nicht aushalten. Man muss sich mal vorstellen: Man ist ein komplett durchgetaktetes Kind, das gewohnt ist, dass immer viel los ist. Und dann sagen die Eltern: So, jetzt ist Ostern, jetzt machen wir einfach mal nichts; beschäftige dich mal selber – das klappt nicht.“ Also auch hier gilt: nichts überstürzen, mit Ruhe herangehen.

Das kann auch für Eltern ungewohnt sein. Doch Achtsamkeit und Entspannung können Kinder nur lernen, wenn Eltern als gutes Beispiel voran gehen. Denn Kinder orientieren sich an Erwachsenen, und dies auch im negativen Sinn: Wenn wir gestresst sind, unsere Belastungsgrenzen nicht wahrnehmen und uns keine Zeit zur Entspannung nehmen, lernen auch Kinder nicht, was sie tun können, wenn sie unter Strom stehen.

Achtsame Ostereisuche: So geht‘s

Die Ostertage sind also eine perfekte Gelegenheit, um mit seinen Kindern gemeinsam achtsamer zu werden. Florian Sprater sieht hier zahllose Möglichkeiten. So können beispielsweise auch die Kinder etwas für die Eltern verstecken. Oder man kann die Achtsamkeit wecken, indem man die Eier als unterschiedliche Tiere sucht. „Ich bin jetzt ein langsames Chamäleon, das bewegt sich ja quasi wie ein Blatt. Oder – wenn das Wetter es zu lässt – schlängle ich mich wie eine Schlange und suche die Eier auf diese Weise und presche nicht durch den Garten wie ein Windhund.“ Denn: Es müssen nicht alle Gegenstände möglichst schnell gefunden werden.

„Wir können uns auch im Garten umschauen und die Kinder bitten, zu versuchen, die Blumen zu beschreiben. Oder wir schauen uns einmal die Biene genau an: Wo hängen die Pollen, welche Farbe hat das?“. Vielleicht merken dann auch die Eltern selbst, dass sie viel zu lange eine Biene nicht mehr genau angesehen haben – und das tut auch ihnen gut. „Man nimmt so die Hektik aus diesen Außenreizen heraus. Und dafür muss man kein ausgebildeter Achtsamkeitstrainer sein – das bekommen auch Eltern gut hin, die das vielleicht nicht so gut vermitteln können.“

Lust auf eine Osterei-Meditation?

Oder probieren Sie doch einfach mal eine Osterei-Meditation mit Ihren Kindern aus. Auch das geht ohne Vorkenntnisse. Alles, was Sie brauchen, ist ein hart gekochtes Osterei und ein gemütliches Plätzchen. Und los geht Florian Spraters Osterei-Meditation:

„Nimm dir ein hart gekochtes Osterei aus deinem Osternest. Schließe deine Augen und nimm wahr, wie sich die Schale des Eis anfühlt. Ist sie rau oder weich? Ist sie kalt oder warm? Kannst du ertasten, dass dein Ei eine etwas spitzere Form an einem Ende und eine etwas rundere am anderen Ende hat? Riech mal an dem Ei! Und dann berühre deine Wange mit dem Ei –wie fühlt sich das an? Halte das Ei an dein Ohr – was will dein Osterei dir sagen? 

Und wenn du jetzt Lust bekommen hast, dein Osterei zu essen, dann klopfe das Ei vorsichtig auf den Boden. Lausche ganz aufmerksam dem Geräusch. Und dann klopfe etwas fester, bis das Ei bricht. Achte ganz genau darauf, wann du das Zerbrechen der Schale hörst! Und wenn du das Ei schälst, dann spüre die harten Kanten der Schale. Dein Ei ist nun geschält. Rieche nochmal an dem Ei und schau es dir ganz genau an. Kannst du vielleicht das Eigelb irgendwo rausblitzen sehen? 

Führe nun das Ei zum Mund. Aber stopp – noch nicht gleich essen! Spüre erstmal mit deinen Lippen, wie sich das Ei anfühlt. Berühre es mit deiner Zunge. Jetzt darfst du einen kleinen Bissen vom Ei nehmen und spüre, wie es sich im Mund anfühlt. Welchen Geschmack hat das Eigelb und welchen Geschmack hat das Eiweiß? Dann kannst du das ganze Ei in Ruhe und mit voller Achtsamkeit essen. Guten Appetit!


Gesunde Osterrezepte mit Möhre, Mandel & Co

Apropos Appetit: Was wäre Ostern ohne Osterleckereien? Denn auch leckeres Essen ist Entspannung und ein Genuss für die Sinne. Hier geht’s zu leckeren und gesunden Osterrezepten!

Bildnachweis

Artikeleinstieg: New Africa (stock.adobe.com)
Im Text: Felix Krammer

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