Zum Hauptinhalt springen
Nahaufnahme von zwei Fußpaaren beim Tanzen
Lesezeit ca. 4 Min.
zurück zur Rubrik

Tanzen: Gesund für Gehirn und Körper

Tanzen ist so viel mehr als sich nur im Rhythmus der Musik zu bewegen. Was es für Auswirkungen auf unser Gehirn hat, ist mehr als erstaunlich.

Dr. Julia F. Christensen kennt sich mit der Wirkung von Tanz auf unseren Körper aus. Sie ist Psychologin und Neurowissenschaftlerin und forscht am Max-Planck-Institut für Empirische Ästhetik.

"98,5 Prozent aller Babys folgen schon einem Rhythmus. Nur 1,5 Prozent der Bevölkerung kann das nicht, sie haben Amusie. Sie fremdeln mit Rhythmen und Harmonien. Diese Menschen mögen auch keine Musik und können tatsächlich nicht tanzen. Alle anderen können es. Einfach ausprobieren, nur Mut!"

Dr. Julia F. Christensen

Dr. Julia F. Christensen

Warum ist Tanzen gut für den Körper?

„Ich finde, Tanzen wird sehr unterschätzt, obwohl es so unglaublich viel für uns tut. Das gilt vor allem für den Hobbytanz. Bis zu 660 Kalorien pro Stunde verbrennen wir je nach Tanzstil dabei und unser Herzrhythmus erreicht 140 Schläge. Wir kurbeln den Stoffwechsel an, stärken Muskeln und Sehnen, selbst die Knochendichte nimmt zu. Und Tanz fördert nicht nur unsere Beweglichkeit bis ins hohe Alter, er kann sogar vor Herzkrankheiten schützen.“ 

Warum ist Tanzen gesund für das Gehirn? 

„Ein Grund dafür könnte sein, dass beim Tanzen zahlreiche Prozesse gleichzeitig im Körper ablaufen. Nehmen wir zum Beispiel unser Gehirn. Es ist ein wahrer Tanz-Fan. Denn nicht nur seine Nervenstränge und -verbindungen werden gestärkt. Tanzen fordert es umfassend. Wir haben plötzlich sehr viel auf einmal zu tun: Wie den Körper im Raum koordinieren, wohin mit den Armen, den Beinen und dem Kopf? Und dann haben wir auch Gefühle, die wir koordinieren müssen. Das Gefühl von uns und unserem Körper im Einklang mit der Musik. Vielleicht stimmen wir zusätzlich noch Bewegungen mit anderen Menschen ab. Natürlich schulen wir unser Koordinationsvermögen, das Gleichgewicht und das flexible Denken direkt mit. Da passiert also so einiges in unserem Gehirn: Verschiedenste Prozesse laufen ab und alles gleichzeitig. Tanzen ist also ein Allround-Work-out für unser Gehirn. Und genau das liebt es. Es will mehr davon. Das heißt, wir sprechen mit dem Tanz auch unser Genusssystem an, und das motiviert uns. Es macht uns glücklich, wir haben Spaß! Unser Körper schüttet Glückshormone aus, wir bauen Stress ab. Wir fühlen uns nach unserer Tanzstunde wie neu geboren und haben den Kopf frei. Das hat übrigens auch damit zu tun, dass wir durch die Bewegung zur Musik lernen, unsere Gefühle zu regulieren – wir lassen uns stärker auf uns selbst ein, das Verkopfte aus dem Alltag verschwindet. 

Tanzen verbindet uns mit anderen. Die synchrone Bewegung mit Tanzpartnern ist der Schlüssel dazu. Wenn wir selbst tanzen und sehen, wie andere gleichzeitig mit uns dieselbe Bewegung ausführen, macht es Klick im Kopf – und unser Denkorgan verspürt großen Genuss. Warum, weiß die Forschung noch nicht. Aber wir spüren es ja selbst auch: Man kommt sich emotional näher beim Tanz, man mag sich mehr und fühlt sich stärker verbunden.“ 

Kann denn jeder tanzen?

„Ja, beinahe jeder kann tanzen. 98,5 Prozent aller Babys folgen schon einem Rhythmus. Nur 1,5 Prozent der Bevölkerung können das nicht, sie haben Amusie. Sie fremdeln mit Rhythmen und Harmonien. Diese Menschen mögen auch keine Musik und können tatsächlich nicht tanzen. Alle anderen können es. Einfach ausprobieren, nur Mut!“

Was hat Tanz mit Achtsamkeit zu tun?

„Ein Experte für Multitasking hat mir einmal erklärt, warum ihn Tanzen so fasziniert. Aus der Perspektive des Multitaskings ist es gar nicht möglich zu tanzen. Weil beim Tanzen so viel auf einmal passiert, müsste es das Gehirn eigentlich überfordern. Tut es aber nicht. Im Gegenteil. Tanz erlöst uns vom ewigen Gedankenkarussell. Wir bleiben im Hier und Jetzt. Müssen wir auch, sonst fallen wir bei der nächsten Schrittfolge auf die Nase. Also, es gibt so viele gute Gründe fürs Tanzen. Legen Sie einfach los.“

Bildnachweis

Artikeleinstieg: Yacobchuk (iStockPhoto.com)
Portrait: Thomas Dashuber

Zum Weiterlesen:

nach oben