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Eine Frau mit schwarzen Haaren hält sich mit beiden Händen den Kopf. Ihr Blick geht nach unten.
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Kopfschmerzen erkennen und behandeln

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz: Es lohnt sich, die Ursachen und Behandlungsarten in einem größeren Kontext zu betrachten. Und welche Rolle spielen psychische Faktoren? Ein Interview mit der Psychologin Theresa Klonowski vom Oberbayerischen Kopfschmerzzentrum in München.

Frau Klonowski, woher kommen Kopfschmerzen? 

Grob lassen sich Kopfschmerzen in primäre und sekundäre Kopfschmerzen unterscheiden. Die sekundären haben eine Ursache – zum Beispiel eine traumatische Schädelverletzung, Gefäßstörungen, Hirnhautentzündung oder Substanzen, die man eingenommen hat. Im Fall von sekundären Kopfschmerzen behandelt man also die Ursache. Primäre Kopfschmerzen hingegen machen 92 Prozent der Kopfschmerzen aus. Das sind vor allem Migräne, Spannungskopfschmerz oder auch trigemino-autonome Kopfschmerzen*, zu denen beispielsweise der Clusterkopfschmerz zählt. Beim primären Kopfschmerz gibt es keine zugrunde liegende Erkrankung.

* Trigemino-autonome Kopfschmerzen sind eine Gruppe von attackenartigen, einseitigen Kopfschmerzen im Bereich des Trigeminusnervs, die mit einseitigen autonomen Symptomen im Kopfbereich, wie z. B. Augentränen oder laufender Nase, einhergehen.

Es handelt sich bei primären Kopfschmerzen also mehr um ein Zusammenspiel?

Exakt – ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren (man nennt dieses auch das biopsychosoziale Modell). Bei Migräne und/oder chronischen Spannungskopf­schmerzen zum Beispiel gibt es einerseits einen Vererbungsfaktor. Anderseits gibt es psychologische Faktoren, die mit hineinspielen und die vor allem die Häufigkeit der Kopfschmerzen mitbeeinflussen. Beim Thema Stressbelastung können beispielsweise das soziale Umfeld, die finanzielle Situation oder leistungsbezogene Einstellungen eine Rolle spielen. Die psychologische Ebene sollte daher unbedingt in die Behandlung einbezogen werden. Ich bin überzeugt, dass der sogenannte multimodale Ansatz die Zukunft der Schmerzbehandlung ist – das heißt, dass Ärztinnen und Ärzte und die Expertinnen und Experten aus der Psychologie und der Physiotherapie als Team gemeinsam den Kopfschmerz behandeln.

„Chronische Kopfschmerzpatienten benötigen häufig Unterstützung im Umgang mit Stress.“

Theresa Klonowski, Psychologin am 
Oberbayerischen Kopfschmerzzentrum in München.

Portrait: Theresa Klonowski

Welche Rolle spielt Stress bei Kopfschmerzen?

Es ist genetisch bedingt, ob jemand auf Stress mit Kopfschmerzen reagiert. Aber im Schnitt ist Stress bei Migräne einer der wichtigsten auslösenden Faktoren. Die Kopfschmerzen, die chronische Kopfschmerzpatienten erleben, sind für sie ein zusätzlicher Stressfaktor. Häufig berichten diese Patienten mit der Zeit, dass das Abschalten immer schwerer fällt und sich vielleicht zusätzlich Schlafstörungen entwickelt haben. Deswegen empfiehlt man in solchen Fällen zum Beispiel ein Entspannungstraining und Unterstützung im Umgang mit Stress.

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Helfen Entspannungstechniken immer bei Kopfschmerzen?

Generell kann man damit ein gutes Behandlungsergebnis erzielen – es gibt aber auch eher quirlige Menschen, die sich dann lieber bewegen. Bewegung ist auf jeden Fall ein weiterer wichtiger Faktor: Bei leichtem Spannungskopfschmerz kann Bewegung an der frischen Luft die Kopfschmerzen deutlich verbessern. Bei einer akuten Migräneattacke verschlimmert Bewegung die Schmerzen häufig, auf längere Sicht bessert regel­mäßiger Ausdauersport zwischen den Attacken aber die Kopfschmerzen. Zur Prophy­laxe sollten Migränepatienten etwa dreimal die Woche Ausdauersport treiben. Das kann die Anfallshäufigkeit reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden steigern, sodass man mit den Kopfschmerzen besser zurechtkommt.

Wie kann man Kopfschmerzen besser in den Griff bekommen?

Im Fall von Migräne vor allem durch regelmäßige Mahlzeiten und das Vermeiden von großen Hunger- und Durstmomenten, einen regelmäßigen Schlafrhythmus – generell eine geregelte Lebensführung. Denn Migränepatienten können unwichtige Reize nicht gut herausfiltern – für sie ist alles bedeutsam. Dadurch verarbeitet das Gehirn sehr viele Reize. Je regelmäßiger der Tagesablauf ist, desto weniger führen neue Reizung zu einer Überreizung des Gehirns und somit zu einer möglichen Kopfschmerzattacke. Als allgemeine Haltung ist es deshalb günstig, achtsam mit sich umzugehen, sich selbst immer wieder etwas Gutes zu tun und eigene Grenzen nicht zu überschreiten.

Generell – unabhängig von der Art des Kopfschmerzes – kann das vorübergehende Führen eines Kopfschmerzkalenders vor allem zu Beginn helfen, den persönlichen Kopfschmerz besser kennenzulernen. Tritt der Kopfschmerz attackenförmig auf oder eher gleichbleibend? Zu Beginn der Woche, weil ich gestresst bin oder eher am Wochen­ende, wenn der Stress abfällt? Tritt er auf, wenn ich mir sprichwörtlich über etwas „den Kopf zerbreche“? Mit einer solchen Dokumentation lassen sich Zusammen­hänge und Regelmäßigkeiten erkennen. Und das hilft auch dem behandelnden Arzt oder der Ärztin. Ein Kopfschmerzkalender hilft auch, die Wirksamkeit einer Behand­lung zu beurteilen.

Hilfe bei chronischen Kopfschmerzen

Lernen Sie unser kostenloses Angebot für Versicherte mit chronischen Kopfschmerzen und Migräne kennen und erfahren Sie mehr über unsere Zusammenarbeit mit dem Oberbayerischen Kopfschmerzzentrum in München-Großhadern.

Außerdem finden Sie auf unserer Seite einen Kopfschmerzkalender zum Download.

Hilfe gegen Kopfschmerzen

 

Diese Kopfschmerzarten gibt es

Das sind Spannungskopfschmerzen

Spannungskopfschmerzen treten als dumpfer Druck auf und betreffen meist beide Kopfhälften – so als trüge man einen sehr engen Hut.

  • Häufigkeit: 63 bis 86 % (in Bezug auf die Gesamtheit der von Kopfschmerz Betroffenen)
  • Art: dumpfer Druck mit maximal mittlerer Intensität
  • Wo der Schmerz sitzt: beidseitig (Stirn und Hinterkopf)
  • Dauer: 30 Minuten bis 1 Woche
  • Behandlung: medikamentös, Entspannungsübungen, Bewegung an der frischen Luft
Das sind Clusterkopfschmerzen

Clusterkopfschmerzen sind bohrend oder stechend und treten einseitig im Bereich der Augenhöhle und der Schläfenregion auf.

  • Häufigkeit: 0,1 bis 0,2 %
  • Art: bohrend und stechend mit hoher bis höchster Intensität
  • Wo der Schmerz sitzt: hinter dem Auge
  • Dauer: 15 bis 180 Minuten
  • Behandlung: medikamentös, Sauerstofftherapie
Das sind Migräneattacken

Migräneattacken treten meist einseitig auf und fallen anfallsartig und pulsierend aus.

  • Häufigkeit: bis zu 16 %
  • Art: pulsierend mit moderater bis hoher Intensität
  • Wo der Schmerz sitzt: einseitig oder beidseitig
  • Dauer: 4 bis 72 Stunden
  • Behandlung akut: Schmerzmittel, eventuell Medikamente gegen Übelkeit
  • Prophylaxe: geregelte Lebensweise, Entspannungsübungen und Ausdauersport

Bildnachweis

Artikeleinstieg: GeorgePeters (istockpoto.com)
Portrait: Theresa Klonowski

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