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Ein Schulkind steht vor dem Klassenraum und schaut traurig. Im Hintergrund stehen Klassenkameraden und lästern über ihn.
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Mobbing: Mit Gefühl gegen die Gewalt

Mobbing ist grausam und verursacht großes Leid bei Kindern. Aber auch Eltern fühlen sich oft unsicher und machtlos. Wie können sie ihren Kindern helfen?

Es können körperliche Übergriffe auf dem Schulhof sein. Bedrängen, stoßen, das Handy wegnehmen. Es können aber auch Worte sein. Verleumdungen, Beleidigungen, Hetze. Direkt in der Klasse, hinter dem Rücken, per Messenger und in den sozialen Netzwerken.

Mobbing hat viele Dimensionen

Fakt ist: Mobbing breitet sich aus. Der Hauptschauplatz ist zwar die Schule, doch geht es mittlerweile sogar schon im Kindergarten los. Umso wichtiger ist es, dass Eltern die Zeichen erkennen und handeln – aber wie?

Eltern haben da einen schweren Stand. Denn oft zieht sich das Kind bewusst zurück, kapselt sich emotional ab und wird zunehmend unzugänglich. Doch je weniger das Kind sprechen will, desto wichtiger ist es, dass Eltern genau das tun: das Gespräch suchen, und dies auf möglichst feinfühlige Weise.

Hilfreich ist es, das Wort „Mobbing“ so spät wie möglich zu verwenden. Denn es ist assoziiert mit Begriffen wie Opfer, Abseits, soziale Niederlage. Ein Kind, dessen Scham­­gefühl ohnehin stark getriggert ist, wird sich womöglich nur noch mehr zurück­ziehen. Eltern können auf sanften Umwegen mit ihnen ins Gespräch kommen: Ist irgendetwas gerade nicht gut bei dir? Ist etwas doof in der Schule? Hast du dich über jemanden geärgert?

Verständnis in alle Richtungen

Und ganz wichtig ist es dranzubleiben. Nicht nach dem dritten Mal aufgeben und den Rückzug des Kindes akzeptieren. Immer wieder Gesprächsangebote machen und das Gefühl geben: Ich gebe dir die Hand, ich sehe dich. Eine empathische, gefühlsbetonte Kommunikation ist in dieser hochemotionalen Notlage meist der einzig funktionier­ende Modus.

Wichtig ist jedoch gleichzeitig, das Thema nicht überzustrapazieren, damit nicht zu viel Druck aufgebaut wird und auch Raum für andere, positivere Gedanken bleibt.

Mobbing sichtbar machen

Nicht nur das Gespräch mit dem Kind ist wichtig. Weil Mobbing im Verborgenen statt­findet, ist es umso wichtiger, die Vorgänge ans Licht zu holen. Auch hier ist vor allem Feinfühligkeit gefragt – so schwer dies auch manchmal ist. Doch wenn Eltern wie Panzer in die Schule rollen, kann dies nur noch mehr Schaden anrichten. Das Kind hat Angst vor Sanktionen, Lehrer und Lehrerinnen fühlen sich angeklagt.

Hilfreich ist es, gemeinsam mit dem Kind die Schritte festzulegen: Erst sprechen wir mit der Schulsozialarbeiterin oder dem Vertrauenslehrer. Dann vielleicht gemeinsam mit ihnen und den Eltern des Mobbers oder der Mobberin.

Und über allem steht: nicht beschuldigen, sachlich bleiben, Verständnis in alle Richtungen zeigen. Denn sonst verhärten sich die Fronten nur noch mehr – und damit ist dem gepeinigten Kind am wenigsten gedient.

Bildnachweis

Artikeleinstieg: HRAUN (istockphoto.com)

 

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