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Ein junger Mann steht vor einem dunklen Hintergrund und schaut ernst in die Kamera. Vor seinem Mund ist ein Suchschlitz platziert, so dass es aussieht, als würde er zensiert.
Lesezeit ca. 8 Min.
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Cybermobbing: Tipps für Eltern

Was tun, wenn das eigene Kind Opfer von Cybermobbing wird? Oder sogar selbst mobbt? Der beste Schutz vor Cybermobbing ist, wenn Kinder digitale Medien verstehen und mit ihnen umgehen können. Handfeste Tipps für Eltern gegen das digitale Mobbing.

Cybermobbing ist wie ein schwarzes Loch. Wer hineingezogen wird, verliert den Halt, fühlt sich völlig wehrlos und hat Angst. Viele Kinder und Jugendliche schämen sich sogar, wenn sie zum Opfer werden. Daher behalten sie ihr Leid oft lange für sich und gleichzeitig schwindet ihre hoffnung auf Hilfe. Cybermobbing ist bitterer Ernst, denn Betroffene leiden körperlich und psychisch. Die anonymen Anfeindungen aus der digitalen Welt leisten ganze Arbeit. Die Hetze breitet sich aus auf sozialen Plattformen und in WhatsApp-Gruppen. Und Mobber haben viel Fantasie: Sie beschimpfen, beleidigen und stellen bloß. Mal sind es Kommentare, mal Fotos, die sie bearbeitet haben. Und alles müssen Betroffene über sich ergehen lassen – 24 Stunden am Tag, denn das Netz kennt keine Pause und lässt keine Schlupfwinkel. Alle sehen alles jederzeit.

Anzeichen für Cybermobbing erkennen

Kinder und Jugendliche, die gemobbt werden, sprechen oft erst einmal nicht mit ihren Eltern. Sie hoffen, dass sich die Situation von allein bessert, und schämen sich. Es ist für Eltern daher schwer zu erkennen, ob ihr Kind von Cybermobbing betroffen ist.

Dieses Verhalten deutet auf Cybermobbing hin:

Ein Kind, das von Cybermobbing betroffen ist, …

… zieht sich häufig von Freunden und Eltern zurück, wirkt abweisend und erzählt wenig aus seinem Alltag.

… schläft nachts schlechter, klagt über Kopfschmerzen oder andere körperliche Beschwerden wie Bauchweh.

… surft weniger im Netz und schließt Anwendungen, wenn Sie ins Zimmer kommen. Mitunter wirkt das Kind nach dem Blick auf das Handy durcheinander.

… ist häufiger traurig, kämpft mit Minderwertigkeitsgefühlen und Ängsten.

… geht nicht mehr gern in die Schule. Es kann sich schlecht auf seine Aufgaben konzentrieren und die Noten verschlechtern sich. 

… möchte nicht über das eigene Verhalten sprechen.

Bystander: danebenstehen und nichts sagen

Selbst wenn das eigene Kind nicht direkt Opfer von Cybermobbing ist, kann es unter Umständen bemerken, dass ein anderes Kind gemobbt wird. Häufig unternehmen diese sogenannten Bystander nichts, helfen dem Opfer nicht oder sagen auch keinem Erwachsenen Bescheid: oft aus Angst, dass es auch sie treffen kann.

Schutz vor Cybermobbing

Niemand kann sich sicher sein, dass ihn oder sie Cybermobbing nicht trifft. Aber: Man kann sich wappnen. Der beste Schutz vor Cybermobbing ist, wenn Kinder digitale Medien verstehen und mit ihnen umgehen können. Verfügen sie außerdem über ein gesundes Selbstbewusstsein und soziale Kompetenz, sind gute Voraussetzungen geschaffen. 

8 Tipps, wie Sie Ihr Kind gegen Cybermobbing stark machen

Seien Sie als Eltern offen, informieren Sie sich, bleiben Sie im Gespräch.

Wer sich mit den sozialen Plattformen im Netz auskennt, auf denen Jugendliche unterwegs sind, zeigt Interesse an digitaler Kommunikation und versteht, wie diese funktioniert. Hören Sie genau hin, was Ihr Kind Ihnen erzählt, was es online, aber auch in der realen Welt erlebt. Bleiben Sie im Gespräch, fällt Ihnen schneller auf, wenn etwas nicht stimmt.

Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes.

Ermutigen Sie Ihr Kind, sich eine eigene Meinung zu bilden, sie zu vertreten und im Zweifel auch „Nein“ zu sagen – besonders wenn andere Dinge von ihm verlangen, die es nicht tun möchte. Ermuntern Sie es, auch auf das eigene Bauchgefühl zu vertrauen. Ungute Gefühle sind oft ein wertvoller Anzeiger dafür, dass in der Kommunikation einiges falsch läuft.

So wichtig sind Toleranz, Solidarität, Einfühlungsvermögen und Respekt auch im Netz.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass im Netz dieselben Regeln gelten wie im realen Leben. Wer chattet oder per App Nachrichten verschickt, sollte sich vor Augen führen, dass am anderen Ende ein echter Mensch mit Gefühlen sitzt. Bestärken Sie Ihr Kind, sich einzumischen, wenn jemand beleidigt wird – zum Beispiel, indem es dem Opfer beisteht oder einem Erwachsenen Bescheid gibt. Machen Sie klar, dass auch das Zusehen, Liken oder Weiterleiten von Beleidigungen Cybermobbing sein kann.

Vereinbaren Sie Regeln für die Handy- und Internetnutzung.

Verabreden Sie zusammen mit Ihrem Kind Regeln zur Mediennutzung. So weiß Ihr Kind, was es darf und worauf es achten muss. Sie können einen Vertrag schließen – ein Beispiel finden Sie unter mediennutzungsvertrag.de.

Privates bleibt privat.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass private Daten und Bilder nicht für alle gedacht sind. Je mehr private Dinge öffentlich sind, desto angreifbarer wird man.

Rechte kennen und beachten.

Ihr Kind sollte wissen, dass es beispielsweise nicht einfach Bilder oder Videos von anderen ohne deren Zustimmung ins Netz stellen darf. Im Zweifel muss der oder die andere gefragt werden. Ihr Kind könnte sich die Frage stellen: „Wie würde ich es finden, wenn dieser Inhalt über mich ungefragt an alle verschickt wird?“ Erst prüfen, dann senden.

Sich gemeinsam Apps und soziale Netzwerke ansehen.

Ist Ihr Kind noch unerfahren, sehen Sie sich gemeinsam das digitale Angebot an. Erläutern Sie, worauf Ihr Kind achten sollte und was es bei Problemen tun kann.

Sichern Sie Geräte, Nutzerkonten und Daten.

Ein Passwort schützt Smartphones und Tablets vor fremdem Zugriff. Verdeutlichen Sie Ihrem Kind, dass es Passwörter und Pins nicht weitergeben darf. Prüfen Sie regelmäßig zusammen die Privatsphäre-Einstellungen von Apps und sozialen Netzwerken.

Wenn das eigene Kind mobbt

Der Schock sitzt tief, wenn herauskommt, dass das eigene Kind andere beleidigt. Wie geht man jetzt am besten mit der Situation um?

Erst einmal einen kühlen Kopf bewahren. Viele Eltern kämpfen mit heftigen Gefühlen und wissen zunächst nicht weiter. Daher kann es helfen, sich erst einmal beraten zu lassen. Auch Lehrer und Lehrerinnen können gute Anlaufstellen sein.

Das Gespräch suchen

Das wichtigste Instrument ist der Dialog mit dem Kind. Am besten sprechen Eltern ruhig und ohne Vorurteile mit ihrem Kind. Nur dann finden sie heraus, warum es andere attackiert. Vielleicht war das Kind selbst einmal Mobbingopfer. Unter Umständen hat es tiefer gehende Probleme und lenkt mit Cybermobbing davon ab.

Im Gespräch lässt sich verdeutlichen, was Cybermobbing bei Betroffenen auslöst. Eltern können ihr Kind fragen, welche Gefühle es wohl selbst hätte, wenn die Angriffe ihm gelten würden. Es muss deutlich werden, dass ein Opfer von Mobbing immer ein Mensch mit Gefühlen ist. Und eines muss klar sein: Mit Cybermobbing ist Schluss! Jetzt heißt es, zusammen zu überlegen, wie sich die Situation lösen lässt. Das Kind sollte die Verantwortung für sein Handeln übernehmen und sich beim Opfer entschuldigen. Natürlich sollte es die beleidigenden Bilder und Beiträge – so weit, wie es technisch möglich ist – löschen.

Das wichtigste ist und bleibt, Kinder mit dem Thema Cybermobbing nicht allein zu lassen, sondern darüber zu sprechen. Ob sie nun selbst betroffen sind, Bystander oder sogar Akteure. Damit sie möglichst schnell einen Weg finden, Hetze und Hass zu stoppen.

Erste Hilfe bei Cybermobbing

Es ist passiert, Ihr Kind ist betroffen. Was können Sie jetzt konkret als erstes unternehmen?

Seien Sie für Ihr Kind da.

Signalisieren Sie Ihrem Kind immer, dass Sie es ernst nehmen und sich Zeit für Gespräche nehmen. Hören Sie aufmerksam zu, glauben Sie ihm und zeigen Sie Verständnis. Ihr Kind braucht Ihre Zuwendung.

Eine ruhige Gesprächsatmosphäre hilft.

Beraten Sie in ruhiger Atmosphäre gemeinsam, was Sie unternehmen wollen. Beobachten Sie die Situation auf jeden Fall weiterhin aufmerksam – und bleiben Sie miteinander im Gespräch.

Zurückmobben ist keine gute Idee.

Auch wenn es schwerfällt, antworten Sie nicht auf die Beleidigungen. Die Situation spitzt sich sonst weiter zu.

Sichern Sie Beweise.

Fertigen Sie Screenshots an, speichern Sie E-Mails, sichern Sie Chat-Verläufe bei WhatsApp. So können Sie das Geschehen belegen.

Sperren Sie Mobber aus.

Sie können in Smartphones, auf Social-Media-Plattformen und in Messenager-Apps oft Nummern und Kontakte gezielt sperren. Bringen diese Aktionen keinen Erfolg, legen Sie ein neues Profil an.

Melden Sie dem Anbieter das Cybermobbing.

Das können Sie über Meldebuttons tun oder Sie ermitteln den Anbieter über das Impressum oder denic.de. Nennen Sie die Begründung und setzen Sie dem Anbieter für das Löschen der Inhalte eine ausreichend lange Frist.

Sprechen Sie nicht sofort mit den Eltern des Mobbers oder der Mobberin.

Schnell kann ein Streit entbrennen und die Fronten können sich verhärten. Suchen Sie sich in dieser Situation lieber einen Vermittler. Eine Lehrkraft könnte eine solche Person sein.

Sprechen Sie Lehrkräfte an, wenn in der Schule gemobbt wird.

Gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern können Sie weitere Schritte diskutieren.

Sie können bei der Polizei Anzeige erstatten.

Es ist hilfreich, wenn Sie vorher Beweise gesichert haben.

Erteilen Sie Ihrem Kind kein Internetverbot.

Ein solches Verbot ist nicht sinnvoll. Das Cybermobbing hört deshalb nicht auf und für Ihr Kind heißt das, dass es nicht mehr mit Freunden und Unterstützern in Kontakt bleiben kann.

Hilfe und Unterstützung für Eltern

bke-elternberatung.de
Webseiten der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e. V. – Beratung für Jugendliche im Alter zwischen 14 und 21 Jahren sowie für Eltern. Kostenlos und anonym.

Klicksafe
Umfangreiche Informationen rund um das Thema Cybermobbing

Klicksafe: Medienethik
Materialien zum verantwortungsvollen Verhalten im Netz

Klicksafe: Broschüren
Broschüren, Leitfäden zu Themen wie Datenschutz, Facebook, Smartphones

Klicksafe: Smartphones
Infos zu Smartphones und mobilem Netz

Klicksafe: Apps
Infos zu Apps

Internet-ABC
Tipps für den Einstieg des Kindes ins Netz und zum sicheren Surfen

Mediennutzungsvertrag
Ein Vertrag für Eltern und Kinder

Was sind meine rechtlichen Möglichkeiten bei Cybermobbing?

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, das heißt, Betroffene und ihre Eltern können sich juristisch wehren. Die öffentlichen Angriffe, Beleidigungen und das Bloßstellen des Opfers können empfindlich bestraft werden. Wenn eine Anzeige erfolgt, ermittelt die Polizei, in drastischen Fällen auch die Staatsanwaltschaft

Wie kann ich zivilrechtliche Schritte einleiten?

Eltern können über zivilrechtliche Schritte nachdenken. Wenn der Cybermobber oder die -mobberin bekannt ist, können sie ihn oder sie zum Beispiel schriftlich abmahnen und auf Unterlassung verklagen. Diese Schritte unternimmt ein Anwalt beziehungsweise eine Anwältin. Wenn nicht bekannt ist, wer die mobbende Person ist, kann man versuchen, mehr über sie herauszufinden. Es ist möglich, sich dann beispielsweise an den Betreiber eines sozialen Netzwerkes zu wenden und ihn aufzufordern, Informationen über die IP-Adresse des Mobbers beziehungsweise der Mobberin herauszugeben. So lässt sich klären, wer hinter dem Nickname steckt. Dazu müssen Eltern auf die strafbare Nutzung des Netzwerkes durch die Mobber aufmerksam machen. Dafür sind Beweise nötig.

Was gilt als Beweis?

Es gibt keinen Standard, was als Beweis gilt. Der Richter oder die Richterin muss sich generell davon überzeugen können, dass sich das Cybermobbing so zugetragen hat, wie Eltern oder Kind es beschreiben. Dazu am besten E-Mails, gespeicherte SMS, Chat-Protokolle sichern und Screenshots von geposteten Fotos oder Videos erstellen. Sehr hilfreich ist, wenn man Zeugen oder Zeuginnen benennen kann. Dies reicht oft aus, um zivilrechtliche Schritte einzuleiten.

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