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Ein junger Mann steht mit seinem Fahrrad vor einer Rampe. Er blickt hinter sich, als wenn er auf jemanden wartet.
Lesezeit ca. 4 Min.
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Selbsttest: Eine Woche ohne Auto

Jeden Tag zur Arbeit fahren, schnell mal den Einkauf erledigen oder einen Wochenendausflug machen – für einen bekennenden Autofahrer ist so was ohne Auto bisher undenkbar. André Bastian hat es trotzdem ausprobiert.

Mein Tagebuch

Tag 1: Montag

Der Wecker klingelt heute früher als sonst. Denn statt morgens schnell ins Auto zu springen, versuche ich es ab heute mal ohne. Ich nehme heute den Bus zur Arbeit. Also an den Fahrplan halten oder zu spät kommen. Immerhin ist der Bus pünktlich. Es ist auch gar nicht so voll, sodass ich sogar einen Sitzplatz bekomme. Im Vergleich zum Auto braucht der Bus 10 Minuten länger für die Strecke. Dafür kann mir der tägliche Stau egal sein. Und da die Haltestelle nicht direkt am Büro ist, kommen noch 10 Minuten Fußweg dazu. Auch gut, da wird man wenigstens richtig wach. Auf dem Heimweg denke ich: Hat ja eigentlich ganz gut geklappt.

Tag 2: Dienstag

Heute weiß ich ja schon, was mich erwartet. Daher bin ich etwas entspannter und lege auf dem Heimweg einen kurzen Zwischenstopp in der City ein. Praktisch, wenn man nicht erst einen Parkplatz suchen muss. Apropos Parkplatz: Als „Laternen-Parker“ habe ich es abends immer schwer, einen Parkplatz vor meiner Wohnung zu finden. Das Problem habe ich daher im Moment auch nicht.

Tag 3: Mittwoch

Langsam gewöhne ich mich daran, mit dem ÖPNV statt dem Auto unterwegs zu sein, und entwickle neue Routinen. So kann ich mich auf dem Weg zur Arbeit schon mal vorbereiten oder auf dem Heimweg was lesen. Im Auto geht so was während der Fahrt natürlich nicht. Außerdem bewege ich mich jetzt mehr: So habe ich die Hälfte meiner laut Schrittzähler-App täglich empfohlenen Schritte schon allein bei der Hin-und Rückfahrt erledigt.

Tag 4: Donnerstag

Ich fange langsam an, den neuen Arbeitsweg zu genießen. Denn ich habe völlig neue Seiten, bisher unbekannte Ecken und interessante Viertel meiner Stadt entdeckt. Im Auto starrt man nach vorne – und dabei meistens den Vorausfahrenden aufs Heck. Im Bus oder beim Laufen kann ich den Blick auch einfach mal nach rechts und links oder hinten schweifen lassen.

Tag 5: Freitag

Ich überlege, es heute mal mit dem Fahrrad statt mit dem Bus zur Arbeit zu versuchen. Ginge für mich von der Entfernung her auch, wenn nur das Wetter mitspielen würde. Leider tut es das heute nicht. Daher wieder in den Bus. Bei der Fahrt durch die Stadt ertappe ich mich dabei, wie ich denke: Komisch, dass ich so vieles an meiner Stadt nicht schon vorher gesehen habe …

Tag 6: Samstag

Heute geht es nicht zur Arbeit. Dafür stehen andere Wege an: einkaufen, Freunde und Familie besuchen. Nun, ich wohne in einer Großstadt, da bringen mich Bus oder Bahn quasi überall hin. Ich kann das meiste sogar zu Fuß erledigen. Muss nur etwas mehr Zeit einplanen. Was aber, wenn ich z. B. einen neuen Schrank bräuchte? Mit dem Fahrrad zum Möbelhaus? Oder sich mit vollen Tüten in volle Busse oder Bahnen quetschen? Gut, dass ich das diese Woche nicht muss. Aber dafür gäbe es ja auch Lösungen: Lieferdienste oder Carsharing zum Beispiel.

Tag 7: Sonntag

Der Tag wird seinem Namen mehr als gerecht. Also wird aus dem Wochenendausflug mit dem Auto eine ausgedehnte Fahrradtour. Sehr schön und außerdem schön gesund. Morgen ist mein Experiment dann auch schon wieder vorbei und ich überlege: Nehme ich morgen wieder das Auto … oder lasse ich es einfach stehen?

 

Andrés Fazit:

Mein Fazit fällt gemischt aus. Für den täglichen Arbeitsweg werde ich das Auto definitiv öfter mal stehen lassen. Man sieht einfach mehr von seiner Umgebung. Man bewegt sich mehr und kommt generell entspannter an. Aber gerade an den Wochenenden bin ich doch froh, noch ein Auto zu haben.

André Bastian

Portrait von André Bastian

Bildnachweis

Artikeleinstieg: bernardbodo (istockphoto.com)
Portrait: move:elevator

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