
Tabuthema Reizdarm
Das Reizdarmsyndrom ist weiterverbreitet, als viele annehmen. Wir erklären, mit welchen Symptomen es einhergeht, was hilft und warum Reizdarm kein Tabuthema sein darf.
Wenige sprechen darüber, viele leiden darunter: das Reizdarmsyndrom. Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung gehören für jeden zehnten Menschen in Deutschland zum Alltag. Trotzdem bleibt das Thema oft unausgesprochen – zu unangenehm, zu schambesetzt, zu sehr im Tabubereich. Dabei kann die Erkrankung weitreichende Folgen haben.
Auswirkungen auf den Körper
Ein Reizdarmsyndrom wird diagnostiziert, wenn Symptome wie Durchfall oder Verstopfung über mindestens drei Monate anhalten, ein starker Leidensdruck besteht und andere entzündliche Darmerkrankungen ausgeschlossen werden konnten. Die körperlichen Beschwerden beim Reizdarmsyndrom sind ganz unterschiedlich. Auftreten können anhaltende Bauch- oder Unterleibsschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Durchfall oder schleimiger Ausfluss.
Die Erkrankung verläuft meist chronisch und schubweise. Das heißt, Phasen mit leichten oder gar keinen Darmproblemen wechseln sich mit Zeiten schwerer Beschwerden ab. Dahinter steckt meist nicht nur eine Ursache. Stress oder Infekte können genauso Auslöser sein wie eine ungünstige Ernährung.
„Das Reizdarmsyndrom entsteht auf dem Boden einer biopsychosozialen Krankheitsgenese."

Auswirkungen auf den Geist
Professor Andreas Stengel, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität, erklärt, dass das Reizdarmsyndrom nicht „einfach nur“ Durchfall ist. Stattdessen steckt eine weitreichende Störung der Darm-Hirn-Interaktion dahinter. „Das Reizdarmsyndrom entsteht auf dem Boden einer biopsychosozialen Krankheitsgenese“, so Stengel. Die Darmprobleme können daher mit Depressionen, Angststörungen oder Schwierigkeiten in sozialen Situationen einhergehen.
Wichtige Darm-Hirn-Achse
Mehr dazu, wie Darm und Hirn miteinander verbunden sind – und was das Mikrobiom in unserem Darm damit zu tun hat – lesen Sie hier.
Mentale Probleme können dabei gleichzeitig Auslöser und Folge sein. Konkret: Somatische (körperliche) und psychische Symptome bedingen oder verstärken sich gegenseitig. Helfen kann eine Kombinationstherapie, in der Therapieformen wie Medikamentengabe, gegebenenfalls diätetische Maßnahmen, Entspannungsverfahren und Psychotherapie individuell auf die Betroffenen zugeschnitten werden.
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Artikeleinstieg: LordHenriVoton (istockphoto.com)
Porträtbild: Tobias Grosser


