
Macht der Frühling mehr Lust auf Sex?
Viele Menschen haben im Frühling bessere Laune, mehr Energie, sind einfach aktiver. Aber stimmt es, dass die Hormone im Frühling verrücktspielen und man mehr Lust auf Sex hat? Gibt es die berühmten Frühlingsgefühle tatsächlich?
Klar ist: Alles beginnt mit Licht – Sonnenlicht. Wenn die Tage im Frühling endlich wieder länger werden, registrieren Rezeptoren die veränderten Lichtverhältnisse. Im Gehirn drosselt die Zirbeldrüse daraufhin die Produktion des Schlafhormons Melatonin. Der Effekt: Die Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Schwermütigkeit, die viele Menschen in den Wintermonaten begleiten, verschwinden. Diesen sogenannten Winterblues als saisonale Depression kennen rund 10 bis 15 Prozent der Deutschen. Das zunehmende Licht im Frühjahr kann helfen, dass sie sich wacher, aktiver und unternehmungslustiger fühlen.
Licht und Hormone
Gleichzeitig steigt die Konzentration von weiteren Botenstoffen, beispielsweise Serotonin und Dopamin. Serotonin ist an der Regulation unserer Stimmung beteiligt, Dopamin fördert Motivation und Antrieb. Ebenfalls involviert, wenn Licht endlich wieder auf die Haut trifft: Endorphin. Das Glückshormon wirkt schmerzlindernd, euphorisierend und hilft beim Stressabbau.
Der Vitamin-D-Spiegel ist ein weiterer wichtiger Faktor für eine positivere Stimmung im Frühjahr. Denn in den Wintermonaten ist der Vitamin-D-Spiegel bei vielen Menschen niedrig. Die Sonnenstrahlung reicht nicht aus, um genügend davon in der Haut zu bilden. Mit den ersten kräftigen Sonnenstrahlen im Frühling ändert sich das. Das zusätzliche Vitamin D trägt dann nicht nur zur Knochengesundheit bei, sondern spielt auch eine Rolle für das allgemeine Wohlbefinden.
Mehr Lust auf Sex?
Aber macht uns dieser Hormon- und Vitamincocktail auch mehr Lust auf Sex? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht, das Thema ist wissenschaftlich umstritten. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass der Testosteronspiegel bei Männern leicht ansteigen könnte – begünstigt durch den Rückgang des Melatonins im Frühling und Sommer.
Bei Frauen sieht es anders aus. Der weibliche Zyklus folgt seinem eigenen Rhythmus und wird offenbar nicht so stark von der Jahreszeit beeinflusst. Dass Frauen im Frühling mehr Lust empfinden, hat nach aktuellem Wissensstand eher mit dem allgemeinen Anstieg des Wohlbefindens zu tun, also mit besserer Stimmung, mehr Energie und mehr sozialen Kontakten.
Aber wenn es nicht die Sexualhormone sind, warum fühlt sich der Frühling dann für manche Menschen so sexuell aufgeladen an? Die Antwort liegt vermutlich im Zusammenspiel von Körper und Psyche. Der veränderte Hormonhaushalt (mehr Serotonin, Dopamin und Endorphin) hebt die Grundstimmung.
Gute Laune im Frühjahr
Hinzu kommen veränderte Sinneswahrnehmungen: Blütenduft, Vogelgesang, das Gefühl von Wärme auf der Haut. All das macht gute Laune. Außerdem verbringen die Menschen im Frühling wieder mehr Zeit draußen, bewegen und treffen sich. Sie tragen leichtere Kleidung, zeigen mehr von sich. Und zwar im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Und genau diese Offenheit kann dann empfänglicher für Begegnungen, Flirts und körperliche Nähe machen.
Unser Fazit: Ob Sie im Frühling Schmetterlinge im Bauch spüren oder einfach nur froh sind, dass die grauen Tage vorbei sind – beides ist völlig in Ordnung. Frühlingsgefühle sind individuell. Nicht jeder Mensch erlebt sie gleich intensiv und manche spüren sie gar nicht. Auch das ist normal.
Hohe Geburtenrate im Sommer
Zum Schluss die vielleicht größte Überraschung: Wenn Frühlingsgefühle wirklich zu mehr Sex führen würden, müssten die meisten Kinder im Winter geboren werden. Tatsächlich ist es aber genau andersherum. August und September sind in Deutschland die geburtenreichsten Monate. Neun Monate zurückgerechnet finden also viele Zeugungen im November und Dezember statt. Also eher in der dunklen, kuscheligen Jahreszeit als im blühenden Frühling.
Bildnachweis
Texteinstieg: AleksandarNakic (istockphoto.com)


