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„Balance entsteht durch die Kombination von KI und Mensch“

Immer mehr Menschen wenden sich an eine KI, um Antworten auf Fragen zu Fitness und Gesundheit zu erhalten. Prof. Dr. Lars Donath vom Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik an der Sporthochschule Köln spricht im Interview über die Chancen der Technologie – vorausgesetzt, wir finden die richtige Balance.

Hand aufs Herz: Haben Sie selbst schon einmal KI-Tools genutzt, um Trainingstipps oder Fitness- und Gesundheitsfragen zu klären?

Ja, ich habe die künstliche Intelligenz nach Trainingstipps gefragt und war überrascht, wie umfangreich die Empfehlungen waren. Für den Einstieg kann das hilfreich sein. Wir an der Sporthochschule Köln haben die Leistung der KI auch schon im Rahmen einer Studie mit Kolleginnen und Kollegen aus Würzburg wissenschaftlich überprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Vorschläge – also wie oft und wie intensiv trainiert man, welche Übungen wählt man, wie lang sind Pausen und Belastungszeit – eigentlich ganz solide sind.

Wo sehen Sie den größten Nutzen von KI im Trainingsbereich?

Die Empfehlungen der KI können als erste Übersicht zu einem Thema dienen. Aber wenn man diese KI-Ergebnisse nicht überprüfen kann und keine Fachleute zur Seite hat, bleibt man danach allein mit diesen Informationen. Man hat also niemanden im Rückspiegel, der beispielsweise einen Trainingsplan auf die individuellen Bedürfnisse anpasst oder auch einfach mal zum Sport motiviert. Diese Themen kann aus meiner Sicht nur der Mensch nachhaltig begleiten. Training ist ein interaktives Phänomen – das macht man am besten mit anderen zusammen.

„Die Empfehlungen der KI können als erste Übersicht zu einem Thema dienen. Aber wenn man diese KI-Ergebnisse nicht überprüfen kann, bleibt man danach allein mit diesen Informationen.“

Professor Dr. Lars Donath, Sportwissenschaftler und Hochschullehrer an der Sporthochschule Köln

Viele Gesundheitsapps nutzen mittlerweile KI. Wie bewerten Sie diese professionellen Lösungen im Vergleich zum persönlichen Dialog mit der künstlichen Intelligenz?

Einige Apps sind schon sehr gut programmiert, nutzen fachspezifische Quellen und werden daraus sehr umfangreich gefüttert. Was sie empfehlen, ist oft wissenschaftlich gut abgesichert und man kann die Qualität der Informationen, die sie nutzen, meist selbstständig einordnen. Wenn man aber am heimischen Computer Large Language Models wie ChatGPT nutzt, passiert diese Einordnung nicht. Dann sucht die KI sehr breit und differenziert nicht die Qualität verschiedener Quellen. Außerdem sind die Informationen der KI immer davon abhängig, mit welchen Prompts die Nutzer und Nutzerinnen arbeiten – das heißt, mit welchen Worten sie nachfragen. Je genauer der Prompt, desto genauer – oder eben nicht – sind auch die Informationen, die die KI ausgibt. Aber ich bleibe dabei: Als Einstieg und Orientierung in ein Gesundheitsthema kann eine KI hilfreich sein.

KI hat den Vorteil, dass sie schnell große Datenmengen analysiert. Hat sie dadurch einen Vorteil im Vergleich zum Menschen? Wann stößt KI an ihre Grenzen?

Es ist auf jeden Fall ein Vorteil, dass die KI in der Lage ist, mathematisch große Datenmengen zusammenzufassen, auszuwerten und daraus Schlüsse für weitere Entscheidungen zieht. So schnell können Menschen das nicht. Aber wir können diese Fähigkeit nutzen, um beispielsweise Trainingsfortschritte auszuwerten und die Trainingsplanung im Sinne der Progression weiterzuentwickeln – also das Training dann anzupassen, wenn sich die sportliche Leistung verbessert.

Im Sport kann KI also den Menschen wohl vorerst nicht ersetzen – wie sieht es mit dem Besuch in der Arztpraxis aus?

Den Arztbesuch ersetzen zu wollen, sehe ich kritisch, da die Anamnese nicht sicher von einer KI übernommen werden kann. Auch persönliche Eindrücke wie Stimmung oder Körpersprache kann sie nicht erfassen. Die KI kann allerdings bei der Diagnostik oder Therapieplanung unterstützen, indem sie große Datenmengen analysiert.

Tipps zum Umgang mit KI

  1. Kritisch bleiben: Nicht alle Antworten von KI-Systemen sind korrekt. Hinterfragen Sie Informationen kritisch.
  2. Quellen checken: Lassen Sie sich Quellen nennen. Sind die Angaben nachvollziehbar und seriös?
  3. Datenschutz wahren: Geben Sie keine persönlichen Daten, Namen oder Bilder ein.
  4. Nachfragen: Lassen Sie die KI ihre Aussagen begründen, um Fehlinformationen zu erkennen.

Quelle: Stiftung Gesundheitswissen

Was sollten Menschen, die KI für Training, Fitness oder Gesundheit einsetzen wollen, denn beachten, um sicher und effektiv zu bleiben? Wie findet man die richtige Balance?

Das größte Problem ist, dass Nutzerinnen und Nutzer kaum nachvollziehen können, auf welchen Quellen die Empfehlungen einer KI tatsächlich basieren. Oft ist nicht klar, ob diese verlässlich, wissenschaftlich belegt oder überhaupt realistisch sind. Deshalb sollte man Ergebnisse aus KI-Tools immer kritisch prüfen – idealerweise anhand gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse oder im Austausch mit Fachleuten. Die richtige Balance entsteht durch die Kombination aus Technologie und menschlicher Begleitung – also KI als Werkzeug zur Planung und Dokumentation, ergänzt durch Trainerinnen, Therapeuten, Ärztinnen oder Ärzte, die individuell anleiten, korrigieren und motivieren. So bleibt man sicher und profitiert zugleich von den Chancen, die KI bietet.

Bildnachweis

Artikeleinstieg: StefaNikolic (stockphoto.com)
Porträtbild: privat

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